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29. Juni 2022

New Work:

Service | PHOENIX
New Work:

so haben wir uns das nicht vorgestellt.

Schöne neue Arbeitswelt. New Work. Das klingt nach futuristischen, bunten Arbeitsplätzen voller digitaler Displays und KundInnen, die als Hologramm zugeschaltet sind. Es riecht nach Einhornpölsterchen und Glückseligkeit. Wunderbare moderne Märchenwelt. Guten Morgen, aufgewacht!

In der Realität fliegen weniger rosa Seifenblasen umher, sondern es herrscht ganz oft Überforderung, Frust oder gar Burnout. Laut der aktuellen Studie von Great Place to Work sind 45 % der Österreicherinnen und Österreicher der Meinung, dass ihr Arbeitsplatz psychisch und emotional nicht gesund ist. Jeder Sechste hat innerlich schon gekündigt und nur 15 % fühlen sich wirklich wohl. Und woran liegt das? New Work hat sich auf Prozessverbesserung, Qualitätsmanagement und Fehlerreduzierung konzentriert. Es wurde rationalisiert, digitalisiert, standardisiert und normiert – bis alles optimiert war und so nebenbei der Spaß und die Abwechslung abgeschafft waren.

Und wie geht es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern damit? Das scheint keinen mehr zu interessieren. Hauptsache, alles wird schneller, effizienter und günstiger. Menschen werden zur abbaubaren Ressource, zu potenziellen Fehlerquellen und als Humankapital einfach zu Kostenstellen in der Bilanz. Und am Ende kommt der Six Sigma Black Belt und schlägt die letzten Fehlerquellen kurz und klein. Und das sind bekanntlich immer wir Menschen. „Eerrare humanum est“, lautet es seit Cicero – das war gültig und recht bis zu den jungen Optimierern der bekannten Consulting Groups.

In der sogenannten Gig Economy wird selbst und ständiges Arbeiten zu Dumpinglöhnen als erstrebenswerte Form der Erwerbstätigkeit postuliert. Und damit nicht genug: Findige Start-ups – selbst ernannte Einhörner – bauen ganze Geschäftsmodelle auf der Ausbeutung von Arbeitskräften auf und verkaufen das „Abstrampeln“ ihrer Fahrradboten noch als eine sexy Mischung von Arbeit und Freizeit – quasi Cross-Fitness während der Arbeit. Kein Wunder, dass viele frustriert und müde sind. Und gleichzeitig klagen alle Firmen über Fachkräftemangel. Da helfen dann auch keine Alibihandlungen wie der gratis Obstkorb oder eine feuchtfröhliche Weihnachtsfeier.

Was sich ändern muss, damit New Work auch Better Work wird:

  • Kommunikation auf Augenhöhe statt hierarchisch von oben herab
  • Ungeteilte Aufmerksamkeit und echtes Zuhören
  • Abläufe nach realen Bedürfnissen statt österreichischen Normen
  • Offenlegung von Zahlen und Gehältern
  • Gelebte Diversität
  • Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen

Und hier noch ein kleines Gedankenexperiment für alle GeschäftsführerInnen und EigentümerInnen: Wie viele Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen eigentlich noch arbeiten, wenn sie das bedingungslose Grundeinkommen erhalten? Wenn Arbeit nicht mehr erforderlich ist, dann muss sie noch mehr erfüllend sein. New Work heißt, von der Lebensnotwendigkeit hin zum Lebensinhalt zu kommen. Schließlich verbringen wir ein Viertel unseres Lebens in der Arbeit. Lasst uns dort eine gute Zeit haben.

Ciao, Robert Seeger jr.

Robert Seeger – genannt „Bob Seeger“

Vortragender, Gutachter und Experte für mutige Kommunikation – verbreitet selbst gestrickte Thesen über das Überleben in der Timeline. Der studierte Kunsthistoriker gilt als anerkannter Experte für spätgotische Madonnen und postmodernes Marketing. Seit 2009 gibt Robert Seeger Vollgas im Bereich Freestyle Motocross und Social Media – als Kreativer, als Berater oder als Umsetzer.

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